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Wenn wir Wikileaks nur nicht hätten…

Seit diesem Wochenende wissen wir, was amerikanische Diplomaten von unseren führenden Politiker halten – Wikileaks macht’s möglich. Westerwelle sei “eitel und imkompetent” und hätte im Grunde kein Interesse an Außenpolitik. Bundeskanzlerin Merkel sei “methodisch, rational und pragmatisch”. Großes Lob erfährt demnach unser Verteidigungsminister zu Guttenberg. Böse Zungen könnten könnten jetzt behaupten, dass man da alles vorher schon gewusst hätte. Aber ernsthaft: Was wollen uns die Wikileaks-Macher damit sagen?

Die ursprüngliche Intention von Wikileaks war es, ‘wichtige Informationen publik zu machen’. So die Organisation über sich selbst. Seither veröffentlicht sie Massen an Dokumenten, die ohnehin nie ein Mensch wird lesen können. Erst Ende Oktober stellte Wikileaks beinahe 400.000 Dokumente online, die die Kriege im Irak und in Afghanistan dokumentieren sollten. All diese Angaben auf Authentizität hin zu überprüfen dürfte zumindest für den Normalsterblichen kaum möglich sein.

An diesem Wochenende hat Wikileaks wieder rund 250.000 Dokumente veröffentlicht, die u.a. Notizen und Einschätzung von Politikern enthalten. Inwieweit es ‘wichtig’ sein sollte, was der amerikanische Diplomat über die deutsche Bundeskanzlerin hält, sei dahingestellt.

Wikileaks hat als “Robin Hood” der Informationen begonnen und wollte Missstände aufdecken, die insbesondere im Zusammenhang mit Kriegen begangen wurden und werden. Vertuschungen sollten aufgedeckt und internationale Politik transparenter werden. Dies mag alles richtig und auch wichtig sein.

Jedoch hat Wikileaks mit den letzten Veröffentlichungen vor allem eines aufgezeigt: Es geht weniger um die Sache und die unparteiische Aufklärung, sondern um die Demontage und Bloßstellung der Vereinigten Staaten. Dies hat nichts mehr mit Aufklärung oder Demokratie zu tun. Ich glaube, die Wikileaks-Macher haben Ihre Verantwortung noch nicht verstanden oder arbeiten bewusst in sinnloser Zerstörungswut.

Politik wird von Menschen gemacht, die ebenso ihre Schwächen haben, wie der Normalmensch auf der Straße. Es kann nicht gut sein, eben diese menschlichen Schwächen zu publizieren und diese bis ins Detail zu zerlegen. Wie an jedem anderen Arbeitsplatz auch, kommen auf der (internationalen) Regierungsebene Menschen zusammen, die mal besser und mal weniger gut miteinander können. Welchen Sinn soll es machen, solche Einschätzungen der Persönlichkeit zu veröffentlichen? Durch Missverständnisse und Missstimmungen sind in der Vergangenheit nicht selten auch Kriege ausgebrochen!

Ich würde mir wünschen, Wikileaks würde sich seiner Ursprünge besinnen und wirklich solche Informationen publik machen, die einen wirklichen Mehrwert für die Gesellschaft haben und die die Kontrolle von Regierungen durch ihre Völker einfacher machen. Sich damit zu brüsten, hunterttausende Dokumente zu veröffentlichen, deren Gehalt ohnehin nicht nachgeprüft werden kann, hat nichts mit verantwortungsvollem Journalismus zu tun, sondern mir Populismus der primitivsten Art.

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